Reizdarm
Diagnose Reizdarm
Der Bauch ist abends rund wie ein Ballon, nach dem Essen drückt es, die Verdauung wechselt zwischen zu schnell und zu langsam. Und oft heißt es: „Organisch ist alles in Ordnung – das ist ein Reizdarm.“
Diese Sicht ist überholt. Das Reizdarmsyndrom gilt nicht mehr als „funktionelle“ Beschwerde, die übrig bleibt, wenn nichts gefunden wird. Nach den aktuellen internationalen Rome-V-Kriterien ist es eine eigenständige Erkrankung. die eine Störung der Kommunikation zwischen Darm und Gehirn ist.
Wer also nur den Darm oder nur die Psyche behandelt, greift häufig zu kurz.

Mögliche Ursachen
Was kann bei Reizdarm dahinter stecken?
Darm
Mögliche Ursachen:
- Fehlbesiedelung des Dünndarms, veränderte Darmflora, empfindliche Schleimhaut, Unverträglichkeiten
Mögliche Diagnostik & Therapien:
- Atemgastests, Ernährungstherapie, Pflanzenheilkunde, ausgewählte Probiotika
Nervensystem (Gehirn)
Mögliche Ursachen:
- Dauerstress, überempfindliche Schmerzverarbeitung, Anspannung, belastende Erfahrungen
Mögliche Diagnostik & Therapien:
- Darmgerichtete Hypnose, HRV-Messung, Stressregulation, Ohrakupunktur
Da es sich um eine Darm-Gehirn-Funktionsstörung handelt, entwickle ich einen individuellen Therapieplan, der beide Ebenen gleichzeitig und aufeinander abgestimmt anspricht.
Mehr zum Hintergrund finden Sie auf meiner Seite zur Darm-Hirn-Achse.
Gestern versus Heute
Reizdarm neu verstanden: eine Störung der Darm-Hirn-Interaktion
Die Rome-Kriterien sind seit rund 30 Jahren der internationale Standard für die Diagnose von Reizdarm und verwandten Beschwerden. Bereits Rome IV (2016) begann, den Begriff „funktionelle Magen-Darm-Erkrankung“ durch „Störung der Darm-Hirn-Interaktion“ (Disorder of Gut-Brain Interaction, DGBI) zu ersetzen. Mit Rome V, 2026 erschienen und von mehr als 140 Fachleuten aus 27 Ländern erarbeitet, ist der alte Begriff vollständig abgelöst.
Was heißt das für Sie?
- Ihre Beschwerden sind real und erklärbar. Bei einer Störung der Darm-Hirn-Interaktion entstehen Symptome aus einem Zusammenspiel von veränderter Darmbewegung, überempfindlicher Darmwahrnehmung, veränderter Schleimhaut- und Immunfunktion, veränderter Darmflora und einer veränderten Reizverarbeitung im Gehirn.
- Reizdarm ist keine reine Ausschlussdiagnose mehr. Rome V setzt auf eine positive Diagnose anhand des typischen Beschwerdemusters. Dennoch sollten schwerwiegende Erkrankungen ausgeschlossen werden.
- „Darm-Hirn“ bedeutet nicht „eingebildet“. Die Rome Foundation betont ausdrücklich, dass es nicht um psychisch versus körperlich geht, sondern um ein gemeinsames System, das sich in beide Richtungen beeinflusst.
Was die Forschung sagt
- Reizdarm kann mit einem veränderten Mikrobiom einhergehen, durch frühere Antibiotika-Therapien oder durch Darmentzündungen, etwa nach einem Magen-Darm-Infekt, ausgelöst werden.
- Akuter und chronischer Stress wirken nachweislich auf die Funktionen des Darms, und Betroffene nehmen normale Reize im Darm oft verstärkt wahr. (Studie)
- Eine große Netzwerk-Metaanalyse im Fachjournal Gut (Black et al., 2020) verglich psychologische Therapien bei Reizdarm. Kognitive Verhaltenstherapie und darmgerichtete Hypnose hatten die breiteste Evidenz und waren langfristig am wirksamsten.
Mögliche ursachen, Diagnostik und Therapie
Darm und Nervensystem als eine Einheit
In vielen Versorgungswegen werden Darm und Nervensystem getrennt betrachtet – hier der Gastroenterologe, dort die Psychotherapie. In meiner Praxis in Hamburg Barmbek verbinde ich beides in einem Behandlungsplan.
Jede Begleitung beginnt mit einem ausführlichen Erstgespräch von etwa 1,5 Stunden. Wir sprechen über Ihre Beschwerden, Ernährung, Alltag, Stress, Schlaf, Medikamente, frühere Antibiotika und vorhandene Befunde. Danach entscheiden wir gemeinsam, welche Untersuchungen sinnvoll sind:
- Ernährungs- und Symptomtagebuch, um Ihre persönlichen Auslöser zu erkennen
- Atemgastest auf Wasserstoff und Methan bei Verdacht auf eine Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO)
- Atemtests auf Fruktose- oder Laktosemalabsorption bei Hinweisen auf eine Unverträglichkeit
- Blutdiagnostik zu Nährstoffstatus und Entzündung
- HRV-Messung, um die Belastung Ihres Nervensystems sichtbar zu machen
- Erweiterte Stuhlanalyse bei passender Fragestellung, zum Beispiel zu Verdauungsleistung und Entzündungsmarkern
Vorhandene ärztliche Befunde bringen Sie gerne mit – wir ergänzen, was fehlt, statt doppelt zu untersuchen. Mehr zu meiner Diagnostik.
Behandlung des Darms
- Ernährungstherapie: Wir finden Ihre individuellen Auslöser. Eine Low-FODMAP-Phase setze ich nur zeitlich begrenzt und mit strukturierter Wiedereinführung ein.
- Pflanzenheilkunde: Pfefferminzöl ist laut S3-Leitlinie bei Schmerzen und Blähungen wirksam und erhält die höchste Empfehlungsstufe; weitere pflanzliche Präparate werden ebenfalls empfohlen.
- Mikrobiom- und Darmtherapie: ausgewählte Probiotika, passend zu Ihren Beschwerden, sowie gezielte Unterstützung der Schleimhaut.
- Ballaststoffe: besonders lösliche Ballaststoffe wie Flohsamenschalen, dosiert nach Verträglichkeit.
Behandlung des Nervensystems
Die darmgerichtete Hypnose ist eine leitliniengerechte Therapieform beim Reizdarmsyndrom. Auch internationale Studien zählen sie zu den am besten untersuchten Verfahren.
In der Hypnose arbeiten wir mit Bildern und Suggestionen, die die Verarbeitung von Darmsignalen im Gehirn beeinflussen können. Ziel ist, dass Ihr Darm wieder ruhiger reagiert und Sie Beschwerden weniger bedrohlich erleben. Ergänzend setze ich ein:
- HRV-Messung, um Belastung und Erholungsfähigkeit sichtbar zu machen und Fortschritte zu messen
- Stressregulation und alltagstaugliche Entspannungstechniken
- Ohrakupunktur zur Beruhigung des vegetativen Nervensystems
- EMDR oder Klopfakupressur, wenn belastende Erfahrungen eine Rolle spielen
Die Leitlinie empfiehlt, die ärztliche Betreuung parallel weiterzuführen. Das unterstütze ich ausdrücklich.
FAQ
Ist Reizdarm eine Ausschlussdiagnose?
Nicht mehr im alten Sinn. Nach Rome V und der deutschen S3-Leitlinie wird Reizdarm positiv anhand des typischen Beschwerdemusters diagnostiziert. Gezielte Untersuchungen schließen andere Erkrankungen aus, aber die Diagnose beschreibt eine eigene Störung: die der Darm-Hirn-Interaktion.
Heißt Darm-Hirn-Störung, dass meine Beschwerden psychisch sind?
Nein. Darm und Gehirn sind über Nerven, Hormone, Immunsystem und Mikrobiom eng verbunden. Eine Störung dieser Kommunikation ist körperlich messbar und real – Stress kann sie verstärken, ist aber nicht allein die Ursache.
Ist Hypnose bei Reizdarm wissenschaftlich anerkannt?
Ja. Die darmgerichtete Hypnose gehört zu den am besten untersuchten Therapien bei Reizdarm und ist Teil der psychotherapeutischen Verfahren, die die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt.
Welche Tests sind bei Reizdarm sinnvoll?
Das hängt von Ihrem Beschwerdemuster ab. Häufig sind ein Atemgastest auf Dünndarmfehlbesiedelung und Tests auf Fruktose- oder Laktosemalabsorption aufschlussreich. Wir wählen gezielt aus.
Was kostet die Begleitung?
Details finden Sie unter Ablauf und Kosten.
