SIBO, IMO, SIFO

Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO)

Sie haben schon morgens einen flachen Bauch und sehen abends aus, als wären Sie im sechsten Monat schwanger? Der Bauch bläht sich schon kurz nach dem Essen auf, und auch „gesunde“ Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Zwiebeln oder Äpfel machen alles schlimmer?

Dann kann eine Dünndarmfehlbesiedelung – kurz SIBO – dahinterstecken. Sie bleibt häufig lange unerkannt, weil sie im Standardcheck nicht vorgesehen ist. In meiner Praxis in Hamburg Barmbek prüfen wir den Verdacht gezielt per Atemgastest und entwickeln eine Begleitung, die auch die Ursachen in den Blick nimmt.

SIBO Dünndarmfehlbesiedelung

Was ist SIBO?

SIBO steht für Small Intestinal Bacterial Overgrowth, also eine bakterielle Überbesiedelung des Dünndarms. Normalerweise leben dort nur vergleichsweise wenige Bakterien – der Großteil gehört in den Dickdarm. Siedeln sich zu viele Bakterien im Dünndarm an, vergären sie Nahrung, bevor sie aufgenommen werden kann. Es entstehen Gase, die Schleimhaut wird belastet und die Nährstoffaufnahme kann leiden

Verschiedene Formen

      • Wasserstoff-SIBO: eher mit Blähungen und Durchfall verbunden
      • IMO (Intestinal Methanogen Overgrowth): Methan bildende Mikroorganismen, eher mit Verstopfung verbunden
      • Schwefelwasserstoff-SIBO: häufig mit Durchfall und einem Geruch nach faulen Eiern
      • SIFO: eine Fehlbesiedelung mit Pilzen, die sich nicht per Atemtest nachweisen lässt

Typische Symptome einer Dünndarmfehlbesiedelung

      • Blähbauch, der 15 bis 90 Minuten nach dem Essen deutlich zunimmt
      • Druck- und Völlegefühl, Aufstoßen
      • Durchfall, Verstopfung oder beides im Wechsel
      • Reaktionen auf ballaststoffreiche Lebensmittel, Probiotika oder Präbiotika
      • Nährstoffmängel, etwa bei Eisen, Vitamin B12 oder fettlöslichen Vitaminen
      • Müdigkeit, Brain Fog oder Gelenkbeschwerden
      • Neu auftretende Histaminbeschwerden oder Unverträglichkeiten

Viele meiner Patientinnen und Patienten mit SIBO haben vorher die Diagnose Reizdarm erhalten. Studien zeigen, dass ein relevanter Teil der Reizdarm-Betroffenen einen auffälligen Atemtest hat.

Warum entsteht SIBO?

SIBO ist selten ein Zufall, sondern meist die Folge eines gestörten Schutzsystems. Mögliche Faktoren sind:

      • eine verlangsamte Darmbewegung, etwa nach einem Magen-Darm-Infekt oder durch chronischen Stress
      • zu wenig Magensäure, zum Beispiel durch die langfristige Einnahme von Säureblockern
      • eine eingeschränkte Funktion von Bauchspeicheldrüse oder Galle
      • wiederholte Antibiotika-Behandlungen
      • Operationen im Bauchraum, Verwachsungen oder eine Schilddrüsenunterfunktion

Genau deshalb reicht es oft nicht, nur die Bakterien zu reduzieren. Wer die Ursachen nicht mit einbezieht, erlebt häufiger einen Rückfall.

 

SIBO Diagnostik: der Atemgastest

Der Atemgastest ist die etablierte nicht-invasive Methode, um eine Dünndarmfehlbesiedelung zu prüfen. Sie trinken eine Zuckerlösung (Laktulose oder Glukose) und geben über etwa drei Stunden in festen Abständen Atemproben ab. Gemessen werden Wasserstoff und Methan, je nach Labor auch Schwefelwasserstoff.

Den Test führen Sie bequem zu Hause durch. Sie erhalten von mir ein Testset und eine genaue Anleitung zur Vorbereitung, inklusive einer speziellen Diät am Vortag. Die Proben schicken Sie direkt ins Fachlabor.

Ergänzend kann eine erweiterte Stuhlanalyse oder Blutdiagnostik zu Nährstoffen, Entzündung und Schilddrüse sinnvoll sein.

Den Befund besprechen wir ausführlich und ordnen ihn gemeinsam mit Ihren Symptomen ein. Mehr zur Diagnostik.

 

Ganzheitliche Begleitung bei SIBO

Eine SIBO-Begleitung verläuft bei mir in drei Phasen:

  1. Reduzieren: Je nach Befund setze ich pflanzliche Wirkstoffe mit antimikrobieller Wirkung ein. Wird eine ärztliche Antibiotika-Therapie bevorzugt, stimmen wir uns mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
  2. Ernährung anpassen: Eine zeitlich begrenzte, auf Sie abgestimmte Ernährung – etwa Low FODMAP – kann Beschwerden lindern. Ich achte darauf, dass sie nicht zu einseitig wird.
  3. Ursachen angehen und Rückfällen vorbeugen: Wir unterstützen Darmbewegung, Verdauungssäfte, Schleimhaut und Mikrobiom und beziehen das Nervensystem mit ein, etwa mit Stressregulation und Darmhypnose.

SIBO braucht Geduld. Ein realistischer Zeitraum für die Begleitung liegt meist bei mehreren Monaten. Ein Kontrolltest kann zeigen, ob die Maßnahmen gewirkt haben.

Verdacht auf SIBO? Lassen Sie uns gemeinsam klären, ob ein Atemtest für Sie sinnvoll ist.

Woran erkenne ich, ob ich SIBO habe?

Typisch ist ein Blähbauch, der schon kurz nach dem Essen beginnt, oft zusammen mit Durchfall oder Verstopfung. Sicher lässt sich der Verdacht nur über einen Atemgastest prüfen.

Der Atemtest ist kein perfekter Test, aber die praxistaugliche Standardmethode. Entscheidend sind eine sorgfältige Vorbereitung und die Interpretation im Zusammenhang mit Ihren Beschwerden.

Nicht grundsätzlich. Manche Betroffene reagieren in der akuten Phase empfindlich, andere profitieren von ausgewählten Stämmen. Das entscheiden wir individuell.

Rückfälle sind möglich, vor allem wenn die Ursache bestehen bleibt. Deshalb ist die dritte Phase der Begleitung genauso wichtig wie die erste.